Über Gargoyles, Gothic & Grusel


Was ist Gothic?

Gothic, was im englischen so viel wie "düster, schaurig" bedeutet, bezieht sich stilistisch auf verfallene Ruinen und die von Gargoyles und anderen Steinskulpturen versehene Architektur des Mittelalters. Im frühen 18. Jh. entwickelte sich die "Gothic Romantic", in Deutschland auch "schwarze Romantik" genannt, als Nebenprodukt der romantischen Strömung, welche Wildheit, Träume und Natur gegenüber Geradlinigkeit und Vernunft präferierte.

In der Literatur brachte dies die Gothic Novel hervor, mit ihren bekanntesten Vertretern "Frankenstein" von Marry Shelley oder dem lange Zeit verbotenen "The Monk" von Lewis. Mit Bram Stokers "Dracula" ist uns eine besonders schaurige Figur des Gothic Fantasy beschert worden. Der blutrünstige Vampir sucht uns noch immer in Romanen und Filmen heim und hat ein ganzes Genre des Dark Gothic und Gothic Horror inspiriert.

Viele Menschen, die wir auch Goths nennen, tragen gerne schwarze Klamotten, um damit ihre Zugehörigkeit zum "Memento Mori-Prinzip" zu zeigen. Dies drückt sich auch in einer Verehrung der Gotik allgemein aus, z.B. der Fasziantion an Friedhöfen mit ihren Gothic Angels und Grabstätten. Dazu gehört auch der präferierte Musikstil des "Darkwave" oder "Gothic Rock". Gothic Metal kann sehr laut und schnell sein und hat in der Hauptsache morbide und düstere Text-Inhalte. Die Bands auf Gothic Festivals geizen auch in ihrer Optik nicht mit schaurigen elementen wie Totenköfen, Blut und ähnlichen Requisiten. Heutzutage hat sich das Genre des Gothic überall ausgebreitet und sogar noch in andere Subtypen wie Emo Gothic oder Cyber Gothic weiter entwickelt. Und beinahe jeder besitzt auf seinem Computer gruselige Schriftarten, die Gothic Fonts.

Gothic Kleidung

Die Gothic- Szene entstand in den 80er Jahren als eine Erscheinungsform der Post- Punk- Kultur. Zunächst verband die Goths ein gemeinsamer Musikgeschmack; ihre Musikrichtung wird als Darkwave oder Gothic Rock bezeichnet. In den folgenden 20 Jahren wurden zwar immer wieder Musikproduktionen aus den Bereichen Metal und Mittelalterrock oder sonstige Musik, die düster klang, unter dem Begriff "Gothic" verkauft, nicht immer aber wurde das, was den Namen Gothic trug, auch tatsächlich Teil der Gothic- Szene.

Die zu allen Zeiten friedfertige und überwiegend mit sich selbst beschäftigte Gruppierung war anfänglich besonders stark vom Hang zu okkulten und spiritistischen Themen geprägt. Die frühen Goths, im deutschen Sprachraum Gruftis genannt, versuchten mit leichenblass geschminkten Gesichtern und entsprechender Gothic Kleidung - schwarzen, gruseligen Outfits - Tod und Vergänglichkeit zu symbolisieren. Aus der Punkmodeszene übernahmen sie den Trend, Löcher oder Risse in ihre Shirts und Strumpfhosen zu schneiden, die oft aus Netzstoffen bestanden. Andere Gothic Accessoires und die frühen Frisuren stammten ebenfalls aus der Punk- Mode; oft wurden die Seiten kahlrasiert, das Übrige kräftig hochtoupiert und mit viel Haarspray fixiert. Zum klassischen Gothic Make Up gehören neben hellem Puder großzügig um die Augen aufgetragener schwarzer Kajalstift und schwarzer Nagellack.

Aus diesem ursprünglichen Gothic Style, der vorwiegend Zerstörung und auch ein bisschen Horror zur Schau stellen sollte, entwickelte sich mit der Zeit ein abwechslungsreicher sehr phantasievoller Modestil, der sich an prunkvollen historischen Vorbildern aus der viktorianischen Zeit aber auch aus dem Barock und dem Jugendstil orientiert. Auch mittelalterliche Gewänder können als Grundlage dienen. So schlicht die fast durchgängig schwarzen Outfits farblich blieben, so aufwendig wird heute mit Stoffen und Formen gearbeitet. Samt, Spitze, Satin und Lack gehören wie Metall und Leder zu den bevorzugten Materialien.

Die Gothic Mode inspirierte schließlich auch Haute Couture - Designer; wohl als erster erregte Dior mit seiner Sommerkollektion 2006 Aufsehen, in der er blutrote Mäntel, hautenge hohe Lederstiefel, schwarze Spitzenkleider und Reifröcke kombinierte. Dem Trend des Glamour Darkwear schlossen sich im Herbst 2006 weitere Edelmodelabels an - Jean Paul Gaultier, Karl Lagerfeld und Jasmine de Milo griffen in ihren Kollektionen Elemente des Gothic Wear wie schwarze fedrig feine Gewänder und Gothic Schmuck, lange Ketten mit silbernen Kreuzen, auf.

Heute gibt es den ein oder anderen Gothic Shop, der bezahlbare und tragbare Gothic Kleider und Accessoires anbieten. Während als Gothic Schuhe früher nur schwarze Stiefel in Frage kamen, werden inzwischen gerade für Gothic Girls fast alle Schuhformen im speziellen Look hergestellt - von der schwarzen Plateausandalette mit Nieten bis zum extremen High Heel Stiletto aus Lack. Wichtige Accessoires sind Gürtelschnallen, Broschen und Amulette, Strümpfe, Handschuhe und Taschen. Zur Darkfashion für Männer gehören Lederhosen, Rüschenhemden, lange Mäntel und Westen.


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