Die Gefährten, die zwei Türme, die Rückkehr des Königs & der eine Ring


Der Herr der Ringe (The Lord of the Rings) von J.R.R. Tolkien gilt als das grundlegende Werk des Genres "High Fantasy". Der 1954 erschienene Roman ist zwar eine in sich geschlossene Geschichte, baut jedoch auf das Kinderbuch "Der kleine Hobbit" auf, welches Tolkien ursprünglich einmal als Gute Nacht Geschichte für seinen Sohn Christopher erdacht hatte. Ausgehend von Mythen und Sagen früherer Zeiten hat Tolkien damit maßgeblich die Grundlage für alle heutigen Computerspiele und Rollenspiele des Genres geschaffen, mit all ihren Typischen Rassen wie Zwergen, Elfen, Menschen und Halblingen. Gegen eine allegorische Deutung seines Werkes wehrte sich Tolkien zeitlebens jedoch mit Nachdruck. Besonders die beiden Weltkriege, die er miterlebt hatte, seien in keiner Weise Grundlage für sein Werk gewesen, er habe nur eine spannende Geschichte für seine Leser schreiben wollen. Trotzdem sind natürlich Einflüsse im Werk erkennbar und auch Tolkiens eigene romantische Naturliebe und seine Ablehnung der Industrialisierung wird z.B. in der Rache der Baumwesen, der Ents, an Saruman deutlich.

Von 2001 bis 2003 liefen die drei Verfilmungen Die Gefährten, Die zwei Türme und Die Rückkehr des Königs im Kino. Jahrelang hatte sich niemand an die Verfilmung des komplexen Stoffes gewagt und der Herr der Ringe galt als unverfilmbar. Peter Jackson hat das mehrjährige Mammutprojekt jedoch erfolgreich in Neuseeland realisiert und damit seinen eigenen Kindheitstraum realisiert. Insgesamt hat seine Trilogie 17 Oscars bekommen, davon allein Die Rückkehr des Königs 11 Oscars, inklusive bester Film und Regisseur. Damit hat er für jede seine Nominierungen einen Oscar bekommen und ist auf Platz 2 der erfolgreichsten Filme aller Zeiten. Eine Platzierung, die vor der verfilmten Fassung vom Herrn der Ringe niemand dem Fantasy-Genre zugetraut hätte.

Herr der Ringe: Die Entstehung

Tolkiens Buch ist ein Meisterwerk der Rhetorik und inhaltlich in Bezug auf seine eigenen Geschichten und Mythen konkurrenzlos komplex. Dies ist nicht weiter verwunderlich, da Tolkien Professor der Sprachwissenschaft war und sich ein Leben lang mit Anglistik und verschiedensten Sprach- und Literaturwissenschaften beschäftigt hat. Er entwickelte eine komplexe Hintergrundgeschichte für seine Welt und kreierte sogar eigene Sprachen für die Völker von Mittelerde, wie z.B. die besonders der finnischen Sprache entlehnten Elbensprachen Sindarin und Quenya. Tolkien wollte mit dem Herrn der Ringe eine Art englische Mythologie schaffen, da es bisher nur Beowulf und die Artussage gab. Dabei bediente er sich natürlich den Texten seines Faches, weshalb man im Herrn der Ringe Einflüsse von Beowulf, der altnordischen Literatur und auch der deutschen Volkssage findet. Sein Land "Mittelerde" ist z.B. eine Übersetzung des altnordischen "Midgard" und das Motiv der Tarnkappe bereits aus der Nibelungensage bekannt. In der Bearbeitung des hochmittelalterlichen Artusstoffes bedient sich schon Hartmann von Aue mit "Iwein" eines unsichtbar machenden Ringes. Nach Tolkiens Tod hat sein Sohn Christopher alle sonstigen Aufzeichnungen seines Vaters im "Silmarillion" zusammengefügt. In dieser umfassenden Mythologie Mittelerdes sind alle wichtigen Hintergründe von Tolkiens Welt beschrieben: Die Geburt der Götter, Elben und Menschen, sowie deren Aufgaben und Schicksale. Einige der darin auftauchenden Geschichten wie die Liebesgeschichte zwischen Beren und Luthien finden sich später in Form der Beziehung von Aragorn und Arwen auch im Herrn der Ringe wieder.

Herr der Ringe: Der Inhalt

Grundlage der Geschichte bilden die 20 Ringe der Macht, wovon "der eine Ring", welcher von Sauron, dem dunklen Herrscher aus Mordor geschmiedet wurde, alle anderen beherrschen kann. Auf dem einen Ring steht die Verteilung der Ringe eingraviert:

Drei Ringe den Elbenkönigen hoch im Licht,
Sieben den Zwergenherrschern in ihren Hallen aus Stein
Den Sterblichen, ewig dem Tode verfallen, neun,
Einer dem Dunklen Herrn auf dunklem Thron
Im Lande Mordor, wo die Schatten drohn.
Ein Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden,
Ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden
Im Lande Mordor, wo die Schatten drohn.


Die Menschen sind ihren 9 Ringen der Macht sehr schnell verfallen und verwandelten sich in Nazgûl, die "Ringgeister", die unter Saurons Kontrolle stehen und den einen Ring suchen. Ihr Anführer ist der Hexenkönig von Angmar, welcher laut einer Prophezeiung von keinem Mann getötet werden kann.
Am Ende des 2. Zeitalters wurde Sauron selbst in der letzten Schlacht um Mittelerde von dem Anführer der Menschen Isildur, Elendils Sohn, mit dem Schwert Narsil der eine Ring vom Finger geschlagen. Isildur brachte er jedoch kein Glück und er wurde in einem Fluss getötet. Später fand den Ring ein Hobbit, der sich unter seinem Einfluss langsam in das Wesen Gollum verwandelte. In "der kleine Hobbit" wird die Geschichte erzählt wie Bilbo Baggins über Gollum in den Besitz des Ringes kommt. Am Anfang vom Herrn der Ringe gibt Bilbo den Ring an seinen Neffen Frodo Baggins weiter. Damit der Ring nicht wieder Sauron in die Hände fällt wird im Rat von Elrond in Bruchtal beschlossen, dass er im Feuer des Schicksalsberges in Mordor, wo er einst geschmiedet wurde, vernichtet werden muss. Daraufhin werden als Gegengewicht zu den neun Schwarzen Reitern, den Nazgûl, 9 Gefährten auf den Weg geschickt den einen Ring zu vernichten: Die 4 Hobbits Frodo (Der Ringträger), Sam, Merry und Pippin, sowie Gandalf der Graue, der Elb Legolas, der Zwerg Gimli und die beiden Menschen Aragorn und Boromir.
Gemeinsam müssen sie viele Gefahren bestehen: Der Kampf Gandalfs gegen den Balrock, die von Saruman entfesselte Schlacht bei Helms Klamm, Sams Kampf gegen die Riesenspinne Shelob (im Deutschen Kankra, was Tolkien deutlich besser gefiel) uvm. Sie treffen auf die Königin der Elben, Galadriel, und viele andere bedeutende Persönlichkeiten des Landes. Schließlich kommt es vor Minas Tirith zu einer epischen Schlacht zwischen Gut und Böse, in der z.B. unerwartet die Tochter von König Theoden, Eowyn, den Hexenkönig von Angmar tötet. Der Herr der Ringe ist Gerüchten zufolge beinahe so häufig verkauft worden wie die Bibel und darf somit sicherlich zu einem "must read" der Weltliteratur gezählt werden.


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