Es war einmal: Schneewittchen, Aschenputtel,
Froschkönig, Dornröschen & Rotkäppchen


Märchen sind kleine und frei erfundene, fantastische Erzählungen, die von wundersamen Geschöpfen und Begebenheiten berichten. In Deutschland verbindet man mit Märchen insbesondere die Gebrüder Grimm. Märchen sind meistens Schwarzweiß-Malereien, bei denen das Gute am Ende belohnt und das Böse bestraft wird. Dabei muss in der Regel ein unwahrscheinlicher Held gegen Riesen oder böse Zauberer bestehen. Manchmal kommen auch sprechende Tiere vor. Als weitere Formen gibt es noch das anonyme Volksmärchen und das Kunstmärchen, welches von einem bestimmten Autor konstruiert wurde.

Grimms Märchen:

Der Wolf und die sieben Geißlein

Als eine Ziegenmutter außer Haus ist, versucht ein Wolf Eintritt zum Haus der sieben Geißlein zu bekommen. Mit durch Kreide aufgehellter Stimme und weißem Mehl im Fell gelingt es ihm schließlich und er frist alle Geißlein bis auf eins, welches sich in der Wanduhr versteckt hat. Dieses erzählt die Tragödie der heimgekehrten Ziegenmutter, welche den vollgefressenen Wolf noch auf der Wiese vor der Hütte findet. Sie schneidet ihm den Bauch auf, lässt die noch lebenden Geißlein hinaus, füllt Steine hinein und näht wieder zu. Als der Wolf aufwacht und zum Trinken an den Fluss geht, wird er durch das Gewicht der Steine unter Wasser gezogen und ertrinkt.

Rapunzel

Eine Prinzessin wird von einer bösen Zauberin in einem Turm gefangen gehalten. Die Zauberin kann nur über Rapunzels langes Haar in den Turm. Ein Königssohn, der die Formel "Rapunzel, Rapunzel, lass dein Haar herunter!" gehört hat, steigt hinauf und gewinnt die Liebe der Prinzessin. Da sich die Prinzessin jedoch eines Tages bei der Zauberin verplappert, schert diese ihr eine Glatze und verbannt sie in die Einöde. Der Prinz fällt vor Unglück in das Dornengestrüpp am Turm und erblindet. Als er umher irrt, findet er Rapunzel eines Tages wieder, weil er sie an ihrer Stimme erkennt. Als Rapunzels Freudentränen seine Augen treffen, kann er wieder sehen.

Hänsel und Gretel

Zwei im Wald ausgesetzte Kinder, Hänsel und Gretel, kommen an das Lebkuchenhaus einer Menschenfressenden Hexe. Als sie vom Haus essen fragt die Hexe "Knusper, knusper, kneuschen, wer knuspert an meinem Häuschen?" Die Kinder antworten zwar "Der Wind, der Wind, das himmlische Kind", werden aber trotzdem eingefangen. Gretel muss putzen und Hänsel kommt in einen Käfig um gemästet zu werden. Die Hexe ist jedoch halb blind und merkt nicht, dass Hänsel ihr immer einen Knochen hin hält, wenn sie testen will, ob er schon fett genug ist. Als die Hexe nach dem Feuer im Ofen sehen will, schubst Gretel sie hinein und die Kinder türmen mit Schätzen aus dem Haus.

Vom Fischer und seiner Frau

Ein armer Fischer fängt einen magischen Butt, der als verwandelter Prinz um sein Leben bettelt. Als der Fischer ihn wieder frei lässt und seiner Frau davon erzählt, verlangt diese, er solle den Fisch noch einmal rufen und eine Belohnung einfordern. Der Fisch gewährt den Wunsch, doch seine Frau ist nicht zufrieden und wünscht sich mehr. Ihre einstmals armselige Hütte wird immer größer bis zu einem Palast und die Frau will immer noch mehr. Erst Königin, dann Papst und als sie schließlich Gott sein will, macht der Butt alles wieder rückgängig und der Fischer und seine Frau wohnen wieder in den ärmsten Verhältnissen.

Das tapfere Schneiderlein

Ein Schneider erschlägt einmal 7 Fliegen mit seinem Gürtel und prahlt daraufhin in allen Gasthäusern er habe "7 auf einen Streich getötet". Alle halten ihn für einen Kriegshelden, der es mit 7 Männern gleichzeitig aufnehmen konnte. Der König beauftragt ihn daraufhin 2 Riesen in seinem Königreich zu töten. Durch eine List schafft es das tapfere Schneiderlein, dass sich die Riesen gegenseitig töten und bekommt die Hand der Prinzessin und das Königreich.

Aschenputtel

Aschenputtel lebt bei ihrer bösen Stiefmutter und Stiefschwestern. Als der Prinz des Landes einen Ball gibt, darf Aschenputtel nicht an den Feierlichkeiten teilnehmen. Doch ein weißer Vogel am Grab ihrer Mutter zaubert ihr immer wieder traumhafte Kleider, mit denen sie bei Festlichkeiten immer wieder unerkannt mit dem Prinzen tanzen kann. Dieser verliebt sich in sie, doch Aschenputtel läuft ihm immer wieder davon. Beim 3. Mal verliert sie jedoch einen Schuh, welchen der Prinz benutzt, um seine zukünftige Braut zu finden. Der Schuh ist für Aschenputtels Stiefschwestern zu klein, so dass Blut aus dem Schuh quillt. Da er nur Aschenputtel passt, heiratet der Prinz sie.

Frau Holle

Ein Mädchen wird von seiner Stiefmutter gezwungen eine verlorene Spindel aus einem Brunnen zu holen. Durch den Brunnen gelangt sie in das Reich von Frau Holle über den Wolken. Sie tritt in ihre Dienste und muss viele Prüfungen bestehen. Außerdem muss sie ihr Bett kräftig aufschütteln, damit es auf der Erde schneit. Als das Mädchen Frau Holle wieder verlässt, wird sie aus Dank mit Gold überschüttet. Daraufhin schickt die Stiefmutter ihre leibliche Tochter in den Brunnen, welche jedoch faul ist und bei allen Prüfungen von Frau Holle versagt. Als sie geht, wird sie zur Strafe mit Pech überschüttet, welches für immer an ihr kleben bleibt.

Rotkäppchen und der böse Wolf

Rotkäppchen trifft auf dem Weg zur kranken Großmutter im Wald auf den bösen Wolf. Dieser entlockt ihr wo die Großmutter zu finden ist und überredet sie noch ein paar Blumen für sie zu pflücken. Als Rotkäppchen dies tut, frisst der Wolf unterdessen die Großmutter und legt sich an ihrer Stelle ins Bett. Als Rotkäppchen endlich bei der Oma eintrifft wird sie ebenfalls gefressen.

Die Bremer Stadtmusikanten

Ein Hahn, eine Katze, ein Hund und ein Esel sollen wegen ihres hohen Alters getötet werden. Die 4 Tiere fliehen jedoch vor ihren Besitzern und wollen in Bremen Stadtmusikanten werden. Auf ihrem Weg nach Bremen müssen sie nachts in einer Hütte im Wald übernachten. Sie stellen sich pyramidenförmig übereinander und verjagen so die dort lebenden Räuber. Ihnen gefällt es daraufhin so gut in der Hütte, dass sie dort wohnen bleiben.

Der gestiefelte Kater

Nach dem Tode eines Müllers bekommt der älteste Sohn die Mühle, der Zweite einen Esel und der Dritte einen scheinbar wertlosen Kater. Der sprechende Kater fleht seinen Besitzer an keine Ahndschuhe aus ihm zu machen, sondern ihm sogar noch ein paar Stiefel zu kaufen. Aus Dankbarkeit nutzt der wundersame Kater List und Tücke, um dem Müllersohn zu Ruhm und Reichtum zu verhelfen.

Tischlein deck dich, Goldesel und Knüppel aus dem Sack

Über drei Gesellen, die nach ihren Lehrlingsjahren drei magische Gegenstände bekommen: Einen Tisch, der sich auf das Kommando "Tischlein deck dich" mit Speisen füllt, einen Esel der Goldstücke fallen lässt und einen lebenden Knüppel, der aus einem Sack geflogen kommt und Feinde verprügelt, wenn man "Knüppel aus dem Sack" sagt.

Dornröschen

Eine Königstochter wird bei ihrer Geburt von einer Hexe dazu verflucht sich mit 15 an einer Spindel zu stechen und daran zu sterben. Eine andere, freundlichere Hexe wandelt allerdings den Fluch um und macht aus dem Tod einen hundertjährigen Schlaf. Der König lässt zwar alle Spindeln im Land verbrennen, doch mit 15 Jahren begegnet die Prinzessin einer alten Frau beim Spinnen in einem geheimen Turmzimmer und verletzt sich an deren Spindel. Die Prinzessin fällt daraufhin mit ihrem gesamten Hofstaat in den prophezeiten Schlaf, während eine undurchdringliche Hecke aus Dornen um das Schloss wächst. Nach 100 Jahren verwandeln sich jedoch die Dornen in Rosen, so dass ein Prinz in das Schloss gelangen und die Prinzessin wach küssen kann.

König Drosselbart

Eine Königstochter, die gleichermaßen schön und hochmütig ist, weist alle vom Vater vorgeführten Freier ab und verspottet diese noch. Einen nennt sie "König Drosselbart", weil er ein so vorstehendes Kinn hat. Daraufhin ist der Vater so erzürnt, dass er sie mit dem erstbesten Bettler, der am Schloss vorbei kommt, verheiraten will. So muss sie schließlich einen armen Spielmann heiraten und ein Leben voller Scham und Armut führen. Am Ende stellt sich jedoch heraus, dass der Spielmann König Drosselbart war, der ihr schließlich vergibt und sie heiratet.

Schneewittchen

Die Mutter der Königstochter "Schneewittchen" stirbt bei der Geburt, so dass sich ihr Vater einige Jahre später eine neue Frau nimmt. Diese Stiefmutter ist jedoch böse und besitzt einen allwissenden Spiegel. Als ihr der magische Spiegel sagt, dass Schneewittchen tausend Mal schöner sei als sie, beauftragt sie einen Jäger Schneewittchen zu töten. Dieser bringt es jedoch nicht übers Herz und lässt sie in den Wald entkommen. Durch den magischen Spiegel erfährt die neue Königin, dass Schneewittchen noch am Leben ist und bei den 7 Zwergen im Wald wohnt. Als Händlerin verkleidet versucht sie 3 Mal Schneewittchen zu töten: Mit einem Mieder, einem Kamm und einem vergifteten Apfel. Beim dritten Mal gelingt es und die Zwerge legen sie in einen gläsernen Sarg, indem sie in einer Art Koma liegt. Ein Prinz, der sie so sieht, verliebt sich in sie und will sie auf sein Schloss bringen. Als er mit ihr stolpert, rutscht der vergiftete Apfel aus ihr heraus und sie erwacht.

Rumpelstilzchen

Ein Müller möchte seine Tochter mit dem König verheiraten und behauptet sie könne Stroh zu Gold spinnen. Der König fordert einen Beweis, sonst müsse sie sterben. Nachts kommt eine Art Heinzelmännchen in ihre Kammer und spinnt gegen ein Schmuckstück die ganze Kammer voll Stroh zu Gold. Der König verlangt dies noch 2 Mal von ihr, doch beim dritten Mal verlangt das Männchen das erste Kind der Frau. Sie willigt ein und kann den König heiraten. Als bei der Geburt des Kindes das Männchen auftaucht, um den vereinbarten Preis zu holen, beginnt die Frau bitterlich zu weinen. Erweicht bietet das Männchen an, sie hätte 3 Tage Zeit seinen Namen zu erraten, dann dürfe sie das Kind behalten. Nach vielen erfolglosen Nächten erfährt die Frau schließlich von einem Wanderer, dass weit entfernt ein Männchen in einer Hütte wohnt, nachts um ein Feuer tanzt und dabei singt: "Heute back ich, morgen brau ich, übermorgen hol ich der Königin ihr Kind! Ach, wie gut dass niemand weiß, dass ich Rumpelstilzchen heiß!" Als die Frau dem Männchen den richtigen Namen nennt, reißt sich Rumpelstilzchen mit den Worten "Das hat dir der Teufel gesagt!" selbst in Stücke.

Hans im Glück

Hans scheint ein rechter Dummkopf zu sein, da er es schafft seinen Lohn für sieben Jahre Arbeit so lange gegen etwas anderes "Bequemeres" zu tauschen bis er gar nichts mehr hat. Er bekommt einen Klumpen Gold, tauscht diesen gegen ein Pferd, das Pferd gegen eine Kuh, die Kuh gegen ein Schwein, das Schwein gegen eine Gans und die Gans schließlich gegen einen großen Schleifstein. Und als ihm dieser ins Wasser fällt, ist er auch noch glücklich den schweren Stein endlich los zu sein.

Der Hase und der Igel

Ein Hase und ein Igel machen ein Wettrennen um einen Golddukaten und eine Flasche Schnaps. Der schlaue Igel platziert jedoch seine ihm ähnlich sehende Frau kurz vor der Ziellinie und gewinnt so scheinbar mühelos. Dem Hasen ist dies unbegreiflich und er versucht wieder und wieder den Igel zu schlagen. Beim 74. Rennen bricht er dann erschöpft zusammen und stirbt.

Der Froschkönig

Einer Prinzessin fällt beim Spielen eine goldene Kugel in einen Brunnen. Ein sprechender Frosch bietet seine Hilfe an, wenn die Prinzessin ihn zur Belohnung mit zu sich nach Hause nimmt. Als er auch mit in ihr Bett will, wirft die Prinzessin ihn angeekelt gegen die Wand und er verwandelt sich in einen Prinzen zurück. Die beiden heiraten.

Die Sterntaler

Ein sehr christliches Märchen ist "Die Sterntaler": Ein elternloses, armes Mädchen gibt seine letzten Habseligkeiten an andere Menschen ab, so dass es schließlich vollkommen nackt ist. Da fallen die Sterne als klingende Münzen vom Himmel und das Mädchen ist reich bis an ihr Lebensende.

Andere Märchen

Die Märchen aus Tausend und einer Nacht oder "Zwerg Nase" von Wilhelm Hauff sind vielen ein Begriff. Doch auch einige ausländische Märchen haben es in Deutschland zu einem großen Bekanntheitsgrad gebracht. Das russische Märchen "Väterchen Frost" und das englische Märchen "Hans und die Bohnenranke" beispielsweise sind auch schon verfilmt worden. Besonders die Geschichte um Hans und die magische Bohne, aus welcher eine gigantische Bohnenranke bis in den Himmel wächst, eignet sich hervorragend für einen Fantasy Film. Hans steigt 3 Mal die Ranke hinauf und stielt aus dem Schloss des Riesen Goldmünzen, eine Ganz die goldene Eier legt und eine singende goldene Harfe. Als der Riese sich rächen will und Hans verfolgt, kann er die Ranke noch früh genug fällen und den Riesen in den Tod stürzen lassen.

Der dänische Autor Hans Christian Andersen hat die Märchenwelt z.B. durch Das hässliche Entlein, Däumelinchen, Die kleine Meerjungfrau oder Die Prinzessin auf der Erbse bereichert. Doch sehr häufig lässt sich eben kein Autor für ein Märchen bestimmen, wie beispielsweise für die bekannte Legende um das Schlaraffenland, in dem alles im Überfluss zu haben ist. In den Bächen fließt Milch und Honig und gebratene Hühner fliegen einem in den Mund. Es ist verboten zu arbeiten und durch einen Jungbrunnen muss niemand altern. Leider muss man sich jedoch ironischer Weise durch eine gigantische Kuchenmauer essen, um in das Schlaraffenland zu gelangen.


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