Der Piraten Herrscher Störtebecker und sein Piratenschiff


Heutzutage verbinden wir mit Piraten romantische Vorstellungen von Freiheit und Abenteuer auf See. Wenn im Film die Totenkopfflagge erscheint, der sogenannte "Jolly Roger", ein grinsender Totenkopf auf schwarzem Grund, dann ist Action und Spannung garantiert. Wer träumt nicht davon mit einer Schatzkarte auf eine Pirateninsel zu fahren und dort einen legendären Piratenschatz zu heben? Jedes Kind hat schon einmal von Captain Hook bei Peter Pan gehört. Auch Long John Silver aus "Die Schatzinsel" ist bekannt. In jüngster Zeit hat Jonny Depp auf der historischen Vorlage des englischen Piraten "Blackbeard" als Captain Jack Sparrow in der Fluch der Karibik-Reihe für gute Unterhaltung gesorgt.

In Wirklichkeit jedoch war und ist Piraterie ein ernstzunehmendes Problem, bei dem es zu Gewalttaten, Eigentumsdelikten und Freiheitsberaubungen kam. Häufig spielte früher auch die Erbeutung von Sklaven und die Erpressung von Lösegeldzahlungen eine wichtige Rolle. Bereits im ersten Jahrhundert v. Chr. bezeichnete Cicero die Seeräuber als Feinde der Menschheit. Diese Ansicht verfestigte sich im Hochmittelalter und wirkte noch bis ins 19. Jahrhundert. Es gab allgemein das Recht, die außerhalb der christlichen Gemeinschaft stehenden Verbrecher auf See immer und ohne weiteres töten zu dürfen. Auch heute noch haben verschiedene Staaten mit Piraterie auf ihren Seehandelswegen zu kämpfen. Die Darstellung der Piraten als romantische Helden ist dabei jedoch nicht mehr nachvollziehbar.

Bekannte Piraten waren beispielsweise die Wikinger, die vom Ende des 8. bis zum Beginn des 11. Jahrhunderts die Küsten Nordeuropas heimsuchten. Mit ihren schnellen Wikingerschiffen fuhren sie die großen Flüsse hinauf und drangen dabei bis tief ins Binnenland vor. Hier nutzen sie Überraschungsangriffe, um in unzähligen Klöstern, Städten und anderen Handelsplätzen zu plündern und zu brandschatzen.
Im Spätmittelalter statteten Landesherren während kriegerischer Konflikte Schiffskapitäne mit Kaperbriefen aus, welche diese theoretisch zum legalen Plündern befähigten. Im letzten Viertel des 14. Jahrhunderts kam es in der Nord- und Ostsee zu einem bedeutenden Anstieg der Seeräuberei. Dabei bedrohten besonders die Vitalienbrüder unter Klaus Störtebeker (siehe unten) den Handel der Hanse.
Nach der Eroberung und während der Kolonisierung Amerikas durch Spanien und Portugal vom 16. bis ins 18. Jahrhundert brach das "goldene Zeitalter" der Piraten an, welches unser heutiges Bild vom Seeräuber in der Karibik maßgeblich geprägt hat. Durch einen hartnäckigen Seekrieg der verschiedenen Nationen, welche sich an den Reichtümern der Neuen Welt bedienen wollten, verschwamm die Grenze zwischen "legalen" Kaperfahrern und illegalen Piraten, so dass das Freibeutertum zu seiner vollen Blüte gelangen konnte.

Schrecken der Meere im Mittelalter: Klaus Störtebeker

Der um 1360 geborene Klaus Störtebeker war einer der wohl bekanntesten Seeräuber aus den Reihen der Vitalienbrüder. Diese kämpften unter anderem lange Zeit erfolgreich gegen die hanseatischen Händler. Für ihre Überfälle hatten sie teilweise Kaperbriefe und teilweise handelten sie auf eigene Faust. Der Freibeuterkapitän Störtebeker, was aus dem Niederdeutschen kommt und so viel wie "Stürz den Becher" heißt, soll seinen Namen auf Grund seiner großen Trinkfestigkeit bekommen haben. Der Legende nach soll er einen 4-Liter-Humpen Wein oder Bier in einem Zug ausgetrunken haben.

Um den Seehandel mit England und Holland vor Piraten zu schützen, verstärkte die Hanse dann irgendwann ihre Bemühungen Störtebeker zu fangen und zu richten. Störtebeker soll allerdings den überlegenen Hansekoggen mit seinen Schiffen immer wieder entkommen sein. 1401 wurde er dann jedoch von einer hamburgischen Flotte unter Simon von Utrecht gestellt und nach einer erbitterten Seeschlacht gefangen genommen. Er wurde auf der "Bunten Kuh" nach Hamburg gebracht und dort mit rund 30 Gefährten durch einen Scharfrichter namens Meister Rosenfeld enthauptet. Seine vorherige Gefangennahme soll angeblich nur durch einen Verräter ermöglicht worden sein, welcher unbemerkt flüssiges Blei in die Steueranlage von Störtebekers Schiff gegossen hatte. Eine andere Version sieht die Zerstörung des Hauptmastes von Störtebekers Schiff durch Geschosse der Bunten Kuh als die Ursache.

Um die Hinrichtung Störtebekers rankt sich eine interessante Legende: Der Bürgermeister der Hansstadt soll dem Piratenkapitän angeblich versprochen haben, dass alle Männer seiner Crew verschont würden, an denen er nach seiner Enthauptung noch vorbeizugehen vermochte. Und tatsächlich ging der kopflose Körper Störtebekers noch an elf seiner Männer vorbei, bevor ihm der Henker ein Bein stellte. Der Bürgermeister brach allerdings sein Versprechen und ließ alle 73 Seeräuber enthaupten.


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