Riese Rübezahl und Titan Atlas


Bei Riesen ist der Name Programm: Das sind übergroße und besonders starke Wesen vieler Märchen, Sagen und Legenden. Beinahe jede Kultur dieser Welt hat sich in ihrer Geschichte bereits mit Riesenwuchs und Riesen beschäftigt. Die Auseinandersetzung mit Riesen in Legenden oder Mythen steht häufig symbolisch für den Kampf gegen archaische und veraltete Sitten und Sichtweisen, aber auch für die latente Angst des Menschen vor dem Andersartigen. Dabei wurden Riesen auch in der Literatur instrumentalisiert, um die Leser in Schauerromanen und Märchen spielerisch zu ängstigen und sie so spannende Abenteuer erleben zu lassen. In der ersten Gothic Novel der englischen Literatur beispielsweise, "The Castle of Otranto" von Horace Walpole (1764), wird zu Beginn des Buches jemand von einem überdimensionierten Helm erschlagen. Später im Roman wandelt dann ein Riese durch ein Schloss und symbolisiert dabei die Angst der unrechtmäßigen Besitzer vor der Rache der Ahnen. In der Literatur sind weiterhin Riesen aus Jonathan Swifts Werk Gullivers Reisen und auch vielen neuen Fantasy Romanen wie dem Herrn der Ringe bekannt. Hier gilt alles als Riese was groß ist: Oger, Trolle, Riesen, Titanen oder der zweiköpfige Ettin, welcher der angelsächsischen Sagenwelt entlehnt ist. Schon in der Bibel musste sich David gegen Goliath, einen Riesen, behaupten und besiegte ihn nur mit einer Steinschleuder bewaffnet.

In der germanischen Mythologie werden Riesen als "Jötun" bezeichnet. Sie leben seit Anbeginn der Welt in Jötunheim (auch Utgard = Außenwelt) und gelten als ihrem Alter entsprechend weise. Sie verkörpern außerdem die Macht der Elemente und der Naturkräfte wie Feuer, Eis, Wasser oder Fels. Einst in der Götterdämmerung, dem "Ragnarök", sollen die Riesen im Kampf gegen Odin und die Götter das Ende der Welt einleiten. Einmal soll ein Riese Thors Hammer "Mjöllnir" gestohlen haben. Dieser bekam ihn jedoch durch eine List zurück und rächte sich, indem er den Riesen und seine gesamte Sippe mit dem Donnerhammer erschlug. Die Menschen sollen diesem Ereignis durch einen gewaltigen Gewittersturm am Himmel gewahr geworden sein.

In den germanischen Mythen und der Sagenwelt des Mittelalters werden Riesen nur als tumbe, rohe Gestalten dargestellt. Sie dienen lediglich den Helden als zu bezwingende Gegner neben Drachen und anderen elitären Monstern. Auch in frühen Märchenerzählungen sind Riesen zahlreich vertreten. Einer der Bekanntesten ist sicherlich der Riese und Berggeist Rübezahl aus dem Riesengebirge. Auch die Märchen der Gebrüder Grimm am Ende des 18. Jahrhunderts, wie das tapfere Schneiderlein, enthalten häufig diese Form der unterbelichteten Giganten.

Ganz anders werden die Riesen der griechischen Mythologie dargestellt. Hier gelten die Titanen als das älteste Göttergeschlecht. Einer der bekanntesten dürfte der Titan Atlas sein, der das Himmelsgewölbe auf seinen Schultern trägt. Dieses wollte er einmal Herkules übergeben, doch dieser schaffte es mit einer List aus dem "Deal" wieder auszusteigen. Außerdem gibt es noch die Giganten, Mischwesen aus Menschen und Schlangen, und die Menschenfressenden, einäugigen Zyklopen. Wobei letztere sogar ebenfalls ein altes Göttergeschlecht darstellen. Die imposantesten Riesen der Griechischen Vorstellungskraft waren jedoch die Hekatoncheiren, gewaltige Riesen, die mehrere Köpfe und um die hundert Arme besitzen sollen.


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