Mittelalter Ritter: Das Rittertum


Ritter waren schwer gerüstete, meist adlige und berittene Krieger des europäischen Mittelalters. Aus rein militärischer Sicht handelte es sich bei den Rittern sogar ausschließlich um Kavallerie, wie der Wortherkunft "Ritter" (= ursprünglich Reiter) zu entnehmen ist. Heutzutage werden Ritter stark idealisiert und ihre "Ritterlichkeit" wird in Fantasy Romanen wie "Die Nebel von Avalon" in den Vordergrund gestellt.

Vom 11. Jahrhundert an etablierten sich Angehörige des niederen Adels, wie adlige Grundherren, unfreie Hofbeamte und sogar Gefolgschaften von Klöstern als Ritter. Die meisten dieser sogenannten Untervasallen konnten sich jedoch aus wirtschaftlichen Gründen nicht dauerhaft im Adelstand etablieren. Ab dem 13. Jahrhundert war dann die "Ritterbürtigkeit", also die gebürtige Abstammung von adligen Vorfahren in der Regel Voraussetzung, um überhaupt in den Ritterstand aufgenommen werden zu können. Dies geschah dann im Rahmen eines feierlichen Aktes, dem Ritterschlag. Ein Herrscher oder anderer Adliger konnte einen Mann zum Ritter schlagen, wenn dieser die erforderlichen Qualitäten eines Ritters mitbrachte. Dieser "Katalog" von Wertvorstellungen definierte im Hochmittelalter von 1170 bis 1250 das Ethos des Rittertums:

Merkmale der Ritterlichkeit

1. Maßvolles Leben und Zurückhaltung
2. Zucht und Anstand
3. Ritterliches Ansehen
4. Treue
5. Seelische Hochstimmung
6. Gute Umgangsformen bei Hofe
7. Demut
8. Großzügigkeit und Großmut
9. Würde
10. Beständigkeit und Ausdauer
11. Freundlichkeit
12. Tapferkeit

Diese ritterlichen Tugenden dienten dem Ansehen des Rittertums und der Legitimation des Adels als vornehmsten Stand. Sie beruhten im Wesentlichen auf den christlichen Tugenden der Hilfsbereitschaft, Keuschheit und Askese. Die mittelalterliche Ritterlichkeit lässt sich jedoch nicht gleichzeitig auf die damaligen Ritter und die Helden aus verschiedenen Sagen anwenden. Ein ungehobelter Siegfried aus der germanischen Heldensage beispielsweise wird teilweise als Ritter beschrieben, entspricht jedoch nicht dem Ideal höfischer Ritterlichkeit.

Interessanter Weise waren die meisten Adligen des Mittelalters gar keine Ritter. Aus meist finanziellen oder familiären Gründen bleiben viele ihr Leben lang lieber sogenannte Edelknechte. Das waren Waffen tragende Krieger ohne Ritterwürde. Selbst bei Hochadligen war die Ritterwürde nicht selbstverständlich und wurde sogar manchmal für eine erhebliche Summe erkauft. Die Unterschiede zwischen den beiden Kriegertypen waren z.B. bei Turnieren spürbar, bei welchen richtige Ritter mit vielen Bevorzugungen behandelt wurden. Einige Feudalherren nutzten manchmal die positive Wirkung eines Ritterschlags auf die Psyche, indem sie Edelknechte in großer Anzahl in den Ritterstand beförderten, um die Kampfmoral Ihrer Truppen vor einer großen Schlacht zu stärken.

Das Bild des noblen Ritters ohne Furcht und Tadel relativiert sich schnell, wenn man bedenkt, dass viele "Ritter" des Mittelalters aus Langeweile oder Habgier häufig Kleinkriege untereinander führten, unter denen vor allem die Bevölkerung zu leiden hatte. Die Mischung aus ausgebildeten Soldaten und rücksichtslosen Rüpeln machte sie teilweise zu unangenehmen Zeitgenossen. Ganz zu schweigen von den Raubrittern, welche sich durch regelrechte Plünderungszüge und Überfälle bereicherten.
Die Kirche versuchte durch Reformen dem Einhalt zu gebieten. Mit Unterstützung des hohen Adels setzte sie die sogenannte Gottesfriedensbewegung durch, welche einige christlichen Grundregeln enthielt, die bei Nichteinhaltung zu ewigen Qualen in der Hölle führen sollten. Erst ab diesem Zeitpunkt fand langsam eine Umerziehung von Haudegen zu Beschützern der Armen und Schwachen statt.

Erziehung und Ausbildung eines Ritters

In der Blütezeit des Rittertums musste der Ritter-Anwärter eine langjährige Vorbereitung und Ausbildung absolvieren: Bis zum 17. Lebensjahr sorgte die Mutter für seine christliche Erziehung, bis er bereit war als Edelknabe (oder "Bube") am Hof des Fürsten zu dienen. Dort lernte er in der Nähe einer Edelfrau die feinen höfischen Sitten. Gleichzeitig lernte er von einem geschulten Knappen oder einem Geistlichen die grundlegenden Kenntnisse und Fertigkeiten für das Leben als Adliger: Biblische Geschichte, Sagenkunde, Musik und allem voran die Ausbildung seiner körperlichen Fähigkeiten. Es wurde täglich Laufen, Springen, Reiten, Schwimmen, Armbrust schießen, sowie der Kampf mit Schild, Schwert und Lanze geübt. Lesen und Schreiben war unterdes noch wenig verbreitet. Mit 14 wurde der Edelknabe dann zum Knappen erhoben und nach ebenfalls erfolgreich bestandener Knappschaft mit 21 zum Ritter geschlagen.


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